Sonntag, 10. August 2014

Buchrezension "How To Draw Manga - Manga-Skizzen zeichnen"


Abbildung 1: Quelle: http://www.carlsen.de/taschenbuch/manga-skizzen-zeichnen/18712#Presse

"Diese Reihe widmet sich den Grundlagen des Manga-Zeichnens - und dies in einer Qualität, die ihresgleichen sucht. Sie richtet sich dabei nicht nur an Anfänger sondern auch an Fortgeschrittene, die bereits Erfahrungen gesammelt haben, aber von echten Profis lernen möchten, wie man richtig Manga zeichnet. Speziell wird in diesem Buch das Zeichnen von Skizzen behandelt, sozusagen die Basis allen Mangazeichner-Strebens... Schritt für Schritt zeigen japanische Autoren und Zeichner, wie es richtig geht."


"How To Draw Manga – Manga-Skizzen zeichnen" ist der erste Band einer Reihe von Zeichenbüchern die seit 2010 im Carlsen Verlag erschienen sind. Wie der Titel schon verrät, behandelt der erste Band das Manga-Skizzen zeichnen. Dabei wird in vier umfangreichen Kapiteln und auf 183 Seiten erklärt was eine Manga-Skizze von einer normalen Skizze unterscheidet und wie man auf Grundlage einer Skizze eigene Charaktere entwickelt. Das Buch arbeitet sich von Grundlagen, wie das Zeichnen einzelner Körperabschnitte, hin zu verschiedenen Posen und Körpertypen. Es wird von Profis anschaulich erklärt wie man vorgeht und vorallem auch warum man es so macht. Zusammenfassend kann man sagen, dass " How To Draw Manga – Manga-Skizzen zeichnen" eine lohnende Anschaffung für alle ist, die gerade erst mit dem Zeichnen anfangen, aber auch für Fortgeschrittene, die noch an ihren Zeichentechniken arbeiten wollen.

"How To Draw Manga – Manga-Skizzen zeichnen" – Genauere Betrachtung des Buches

Für alle die noch etwas genauer über den Inhalt und Aufbau des Buches informiert werden wollen, habe ich in dem folgenden Artikel den Aufbau der Kapitel inhaltlich zusammengefasst, damit ihr genau wisst was euch erwartet, solltet ihr einen Kauf in Erwägung ziehen.

Kapitel 1: Etwas aus dem Kopf zeichnen

Das erste Kapitel behandelt erst einmal den grundlegenden Unterschied zwischen einer Manga-Skizze und einer normalen Skizze, den viele (mich eingeschlossen) vielleicht gar nicht so benennen könnten. Um dies zu verdeutlichen und um den Lesern direkt Lust auf das Zeichnen zu machen, werden mehrere Auszüge aus dem Skizzenbuch eines Mangaka inklusive Erläuterungen präsentiert.
Um den Leser nicht gleich ins eiskalte Wasser zu stoßen bekommen wir auch noch einen Blick hinter die Kulissen und über die Schultern gleich zweier professioneller Mangaka.
Dadurch werden uns verschiedene Herangehensweisen von Kazuaki Morita und Takehiko Matsumoto gezeigt. Herr Morita zeigt uns wie er einen weiblichen Körper und das Close-Up eines Gesichts zeichnet und Takehiko Matsumoto, der mit einer ganz anderen Technik skizziert, zeichnet einen jungen Mann und erläutert das Experiment "Spiegelverkehrt zeichnen"
Abschließend für dieses einführende Kapitel folgt eine Zusammenfassung des gelernten und ein kleiner Exkurs der Mangaskizze als Grundlage für eine Illustration.

Kapitel 2: Die Grundlagen für das Zeichnen eines Gesichts im Manga-Stil

Wie der Kapitelname es erahnen lässt fangen wir nun selber an zu zeichen. Es wird sehr ausführlich und anschaulich erklärt wie ein Gesicht aufgebaut ist und welche verschiedenen Gesichtsformen und Stilisierungen es gibt. Danach wird die Schwierigkeit ein bisschen erhöht und der Grundaufbau des Kopfes als dreidimensionales Objekt bildlich und schriftlich erläutert. Dabei bleibt immer noch alles sehr gut nachvollziehbar und fördert das Verständnis für die Darstellung eines Kopfes.
Anschließend werden uns sehr detailliert die einzelnen Gesichtsmerkmale erklärt und wie sie darzustellen sind.
Abschließend für dieses Kapitel und meiner Meinung nach überaus sinnvoll und sehr gut erklärt, wenden wir uns den Gesichtsmuskeln und ihren Einfluss auf den Gesichtsausdruck zu. Dabei werden ein paar Gesichtsausdrücke wie z.B. Wut, Überraschung und Lächeln als Beispiele gezeigt wie sich die Muskeln unter der Haut bewegen um ein besseres Verständnis für die Darstellung des Gesichtsausdrucks zu gewährleisten. Man hat in einer Gegenüberstellung das fertige Manga-Gesicht und daneben die Darstellung der Muskulatur und wie diese sich bei einem solchen Gesichtsausdruck verhält.

Kapitel 3: Körper im Manga-Stil zeichnen

Nachdem wir also gelernt haben wie man einen Kopf und das Gesicht zeichnet und dabei auch noch was über die Gesichtsmuskulatur gelernt haben, geht es nun daran Körper im Mangastil zu zeichnen.
Etwas ungewöhnlich im Vergleich mit anderen Zeichenbüchern fangen wir in "Manga-Skizzen zeichnen" mit der Rückansicht auf Basis der Wirbelsäule an. Das ist meiner Meinung nach allerdings ein besserer Ansatz als dem Leser einfach eine Figur vor die Nase zu stellen in die die einzelnen Gelenke eingezeichnet sind und zu schreiben: "So wird's gemacht!".
Hier wird erst einmal anschaulich und gut bebildert erklärt wie die Wirbelsäule funktioniert und welche Bewegungen möglich sind, um anschließend in einer Schritt für Schritt Zeichnung zu erklären wie man mit diesem Wissen einen überzeugenden Körper zeichnet. Dabei werden gleich verschiedene Perspektiven und Posen mit einbezogen und erklärt.

Da man aber nicht nur Charaktere von hinten oder der Seite zeichnet wird im nächsten Abschnitt die Medianlinie als Pendant zur Wirbelsäule erklärt. Diese Linie wird oft auch als Mittelline genannt und dient der Darstellung der Wirbelsäule auf der Vorderseite des Körpers.
In mehreren Beispielen wird gleich erklärt wie man mit der Medianlinie natürliche Posen gestalten kann und leitet in einen kleinen Exkurs zum Thema Körperschwerpunkt über.

Nun geht es richtig Tief in die Materie Anatomie und Proportionen in einem sehr umfangreichen Teil des dritten Kapitels.
In dem Unterpunkt "Aufbau des Körpers" beschäftigen wir uns mit dem Knochenbau und den verschiedenen Muskelgruppen des Körpers. Das mag vielleicht auf den ersten Blick alles sehr öde und unnötig wirken, aber es hilft ungemein den Aufbau zu verstehen und vorallem warum man etwas so zeichnen soll, dass es anatomisch korrekt aussieht. Nach einem kurzen Überblick über die Unterschiede zwischen dem männlichen und weiblichen Körper gehen wir noch tiefer in die Einzelheiten des Körperbaus. In sechs Unterkapitel lernen wir alles über den Aufbau und die Bewegungsabläufe sämlicher Gliedmaßen und deren wichtigsten Gelenke (Hals, Wirbelsäule, Schultern und Arme, Beine, Hände und Finger, Füße)

Kapitel 4: Von der Skizze zum Charakter

Das vierte Kapitel ist wieder weniger spezialisiert gehalten und vermittelt uns weiter gestreute Themen ohne dabei großartig in die Tiefe zu gehen, da viele Themen in späteren Büchern der Reihe Kapitelweise behandelt werden.

Die vorherigen Kapitel haben uns sämtliche Grundlagen für den Körperbau und den Aufbau des Gesichts vermittelt, die wir brauchen. Da Manga nichts weiter als das Stilisieren der Realität ist wendet sich das Buch nun verschiedenen Stufen des Stilisierens zu. Dies ist allerdings nur ein kurzer Abriss auf einer Doppelseite um eine generelle Übersicht zu gewähren. Ebenso die nächste Doppelseite zum Thema Charakterdesign. Dies ist für eine grobe Übersicht allerdings mehr als ausreichend, da diese Themen in den anderen Büchern mehr als ausführlich behandelt werden.
Es folgt noch einmal eine Zusammenfassung verschiedenster Gesichts- und Körpertypen inklusive Vorschlägen und Erläuterungen zu welcher Art von Manga-Charakteren es am besten passt. Danach gibt es noch einen kurzen Abschnitt zu den allseitsbeliebten Chibi-Figuren.

Anschließend folgen noch eine kurze Themenabrisse, nämlich dreidimensionale Posen, Kleidung und dynamische Posen. Die Abrisse sind alle sehr verständlich und informativ doch leider kommt der Punkt Kleidung mal wieder zu kurz, da er auch in späteren Büchern nicht besonders umfangreich erläutert wird.

Zum Ende des Buches gibt es nochmal einen kleinen Blick hinter die Kulissen, die Entstehung den Cover-Bildes von der Skizze bis zur Coloration am PC. Es gibt sogar noch einen kleinen Colorationsexkurs im Anschluss und eine Galerie der Mitwirkenden.
Auf den letzten Seiten gibt es noch ein Informatives Interview mit Kazuaki Morita und Takehiko Matsumoto über die Essenz des Manga-Skizzen zeichnens in denen beide Künstler ganz offen über ihre Arbeit sprechen.

Mein Fazit:

Mit "How To Draw Manga – Manga-Skizzen zeichnen" hat Carlsen ein wahnsinnig umfangreiches und informatives Werk für Anfänger und Fortgeschrittene herausgebracht. Wer die Grundlagen erlernen oder vertiefen möchte sollte auf jeden Fall darüber nachdenken es sich anzuschaffen.
Mir persönlich hat es nicht geschadet und man hatte das Gefühl allein durch das Lesen der Texte unglaublich viel gelernt zu haben.

Ich hoffe meine Rezension war informativ und hilfreich,
nächsten Sonntag stelle ich euch den zweiten Band vor "How To Draw Manga – Perfekte Proportionen im Manga" vor.

Bis dahin viel Spaß am Zeichnen,
eure Flussprinzessin

1 Kommentar:

  1. "(...)doch leider kommt der Punkt Kleidung mal wieder zu kurz, da er auch in späteren Büchern nicht besonders umfangreich erläutert wird."

    Das finde ich auch sehr schade, da dieses Thema doch so viel Übung erfordert (ähnlich wie Hände :D).
    Aber ich finde deine Rezension sehr schön und verständlich, ich glaube, ich könnte das Buch nochmal gebrauchen. Anatomie würd ich gern nochmal vertiefen :D

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